Sonntag, 20. Januar 2008

Regen, Regen und ... Regen

Bislang dachte ich immer Bristol wäre der feuchteste Ort im ganzen Vereinigten Königreich, aber ein Kurztrip nach Dublin hat mich eines besseren belehrt. Mein dreitägiger Aufenthalt war gekennzeichnet durch einen konstanten Nieselregen, der besonders fies ist, da man nicht einmal merkt, dass man nass wird. Wegen des Windes habe ich irgendwann auch aufgegeben einen Schirm aufzuspannen. Auf Grund des schlechten Wetters und in Anbetracht meines schlechten Orientierungssinnes, habe ich mich als erstes für eine allseits beliebte (ich war der einzige Fahrgast) Hop-on-Hop-off-Tour entschieden, um mir einen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Warum klingen die deutschen Sprecher in diesen Bussen eigentlich immer wie Fußballkommentatoren aus den 30er Jahren?
Ich hatte allerdings schon auf dem Weg vom Flughafen zu meiner Unterkunft eine kleine private Hop-on-hop-off-Tour, da ich den falschen Bus erwischt und daher vergeblich auf meine Haltestelle gewartet habe, weshalb ich beinahe wieder zum Flughafen zurückgefahren wäre, wenn mich der Busfahrer nicht netterweise vorzeitig hätte aussteigen lassen. An der Haltestelle Dublin Castle bin ich off-gehopt in Erwartung eine große, beeindruckende mittelalterliche Burganlage besichtigen zu können. Meine Vorfreude wurde jedoch jäh enttäuscht, als ich feststellen musste, dass Dublin Castle nicht viel mit einer Burg oder einem Schloss gemein hat, was malwieder meinen Mangel an Fantasie bewies.














Ich muss sowieso sagen, dass mich diese Stadt insgesamt nur mäßig beeindruckt hat. Aber vielleicht hat der alles in einen grauen Schleier hüllende Nieselregen meine Wahrnehmung beeinflusst.
Allerdings fand ich das Trinity College und vor allem seine wunderschöne Bibliothek sehr gut.



















Das ist mal eine Bibliothek! Zweistöckig, vom Fußboden bis zur Decke mit alten, handgebundenen Büchern vorgestopft. In einer kleinen Ausstellung wurde gezeigt wie ein Buch ("The book of Kells") entstanden ist. Es war wirklich interessant zu sehen wieviel Mühe in so einem Schinken steckt. Die Seiten sind aus Kalbsleder, jeder Buchstabe und jede Illustration ist handgemacht. Erstaunlich! Nach einem kleinen Spaziergang durch Dublins Straßen habe ich mich schließlich in die Nationalgalerie geflüchtet, um für eine Weile dem Regen zu entkommen (und um die dort ausgestellten Kunstwerke zu bewundern natürlich ;-)).

Danach habe ich mich auf den Weg zu Temple Bar gemacht, dem Ausgeh- und früher Hippieviertel von Dublin, um ganz klassisch und touristisch ein Pint Guinness zu trinken. Auf dem Weg bin ich einigen Berühmtheiten begegnet wie zum Beispiel Molly Malone. Der Legende nach eine Fischhändlerin im 17. Jahrhundert, die aufgrund ihrer Armut nachts als Prostituierte arbeiten musste, da der Fischverkauf allein zu ihrem Lebensunterhalt nicht ausreichte. Sie erkrankte dabei an Cholera und verendete tragischerweise auf offener Straße. Ihr zu Ehren wurde dieses Denkmal errichtet und ein irisches Volkslied geschrieben. Das Denkmal ist sicherlich vor allem bei dem ein oder anderem pubertären Touristen ein beliebtes Fotomotiv.




Außerdem gelang es mir noch den in Dublin geborenen Schriftsteller James Joyce vor die Linse zu bekommen. Kenne den ehrlich gesagt nur dem Namen nach, hab noch nie etwas von dem gelesen. Aber ein Foto war er mir dann doch wert. Und wen haben wir denn da? Arthur Guinness, dem Bierbrauer und Begründer der allseits (oder zumindest bei mir) beliebten Biermarke. Der hatte übrigens 21 Kinder!!! Erstaunlich. Die arme Frau. Das ist so ziemlich alles, was bei mir an Information während der Stadtrundfahrt hängen geblieben ist.








Darauf habe ich dann ersteinmal ein schönes Guinness in einem Pub in Temple Bar getrunken. Ich bin nicht in dem berühmten Pub gewesen, der genauso heißt wie das Viertel, weil es mir da zu voll war. Ich musste feststellen, dass ich doch nicht cool genug bin, um alleine in einem Pub zu sitzen ohne das Gefühl zu haben versetzt worden zu sein. War keine so schöne Erfahrung.

Das ist übrigens das Isaac´s. Meine bescheidene Bleibe während meine Dublinaufenthalts, welche für diese Jahreszeit erstaunlich voll war. Ich habe mich bislang immer für einen Backpacker-Typ gehalten, habe aber dann doch mit meiner antisozialen Seite Bekanntschaft gemacht und war ziemlich schnell von den Menschen um mich herum genervt. Tja, wenn man sein Zimmer mit neun anderen Mädels teilt, ist immer jemand dabei, der schnarcht oder um vier Uhr morgens geräuschvoll vom Party machen wiederkommt. Ich habe also von Jugendherbergen fürs erste genug, denk ich, obwohl das Isaac´s für ein Backpacker ganz o.k. war.


Wahrscheinlich gebe ich Dublin und vor allem Irland noch eine Chance und komme im Frühjahr oder Sommer noch einmal wieder, um meinen Eindruck von dieser Stadt zu verbessern.

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