Mittwoch, 12. November 2008

Ein Tag am Meer in Brighton

Nach einanderthalb Tagen im schönen aber hektischen London, sind Abi (meine Ex-Mitbewohnerin) und ich mit dem Zug nach Brighton gefahren, um uns frische salzige Seeluft um die Nase wehen zu lassen und unseren Atemwegen eine Erholung vom Londoner Smog zu gönnen. Hatte ja im Vorfeld sehr unterschiedliche Meinungen zu Brighton gehört, daher waren ich auch dementsprechend neugierig. In meiner Vorstellung war Brighton ein kleines, schmutziges Städtchen voller Transvestiten, dessen Einwohner größtenteils drogenabhängig oder zumindest leicht zwielichtig sind. Beides war bei unserer Ankunft nicht wirklich augenfällig.
Auf mich machte Brighton den Eindruck eines kleinen - wenn auch nicht unbedingt feinen- Küstenstädtchens. Es herrscht dort eine entspannte Atmosphäre. "The Lanes", eine Art Einkaufsviertel, sind voll von alternativen Boutiquen und vegetarierfreundlichen Cafés und Supermärkten, was vor allem Abis Veganerherz höher schlagen ließ. Daher haben wir uns auch als erstes einen Kaffee und veganen Kuchen in einem der Cafés gegönnt. Danach machten wir uns zu einer der wenigen Attraktionen auf. Dem Royal Pavillon. Dieser wurde von Georg dem IV nur so zum Spaß (wie´s scheint) nach dem Vorbild indischer Paläste im Stil des Taj Mahal erbaut. Obwohl das Gebäude schon beeindruckend ist, finde ich es doch leicht größenwahnsinnig und deplatziert. Wir haben uns daher auch die Führung gespart und uns damit begnügt es uns von außen anzusehen. Danach haben wir die Regenpause genutzt und sind herunter zum Strand spaziert, um einen der drei großen Piers, dem über 100 Jahre alten Brighton Pier, genauer in Augenschein zu nehmen. Auf dem Pier befindet sich eine Minikirmes mit Kettenkarussell, Achterbahnen, Riesenrad etc. und zahlreiche Spielautomaten. Am Tag unseres Aufenthalts (einem Donnerstag im November) war verständlicherweise nicht allzu viel los. Allerdings geht dort sicherlich so einiges in der Tourismus-Hauptsaison. Von dem anderen Pier ist leider nach einem Brand (meiner Theorie nach verursacht von heimlich rauchenden Teenagern) vor fünf Jahren nur noch das Stahlskelett übrig, so dass dieser einen ziemlich traurigen Anblick liefert und eher einer Bohrinsel gleicht.


Nach einem kleinen Spaziergang am Kieselstrand, während dessen ich es nicht lassen konnte ein paar alberne Tourifotos zu schießen, beschlossen wir das schöne Wetter nicht länger herauszufordern und uns nach einem kleinen Stadtbummel eine weitere Tasse Kaffee zu gönnen. Das erwies sich als eine weise Entscheidung, da es unmittelbar anfing in Strömen zu gießen.
Daher haben wir uns für den Rest des Nachmittags bis zu unserer Rückreise nicht aus dem Café herausgewagt.

Donnerstag, 14. August 2008

Der Brecon Beacon Nationalpark

Der letzte Eintrag ist ja nun wirklich laaange her. Bin aber auch zugegeben hinsichtlich der Erkundigung des Vereinigten Königreichs etwas bequem geworden. Ich habe jetzt seit langer Zeit mal wieder einen Kurztrip unternommen und mich auf eigene Faust in den Brecon Beacons Nationalpark aufgemacht.
Auf dem Weg zum Bahnhof habe ich übrigens das Geheimnis gelüftet warum die Busse in Bristol niemals pünktlich sind. Es ist eigentlich kein wirkliches Geheimnis, denn die Lösung ist ziemlich eindeutig. Den Busfahrern geht die Einhaltung des Fahrplan schlicht und einfach am Arsch vorbei oder wie man hierzulande sagen würde: "They don´t give a shit". Der Busfahrer hielt einfach auf einmal bei einem großen Supermarkt an, nahm die Tageseinnahmen an sich und schloss uns Fahrgäste ein. Den Grund hierfür (wahrscheinlich um sich Zigaretten zu holen) und den Zeitpunkt seiner Rückkehr verriet er nicht. Als er dann (wie mir schien) nach einer Ewigkeit zurückkam, versuchte er die Verzögerung durch eine halsbrecherische Fahrweise wieder aufzuholen. Ohne patriotisch oder spießig klingen zu wollen, aber in Deutschland hätte er sich das nicht erlaubt.
Aber glücklicherweise bin ich heil und gesund und vor allem rechtzeitig am Bahnhof angekommen. Meinen Anschlusszug verpasste ich jedoch, da ich nur fünf Minuten zum Umsteigen hatte, die ich damit vergeudete kopf- und planlos im Bahnhof von Gleis zu Gleis zu hetzen anstatt gleich jemanden zu fragen, der sich damit auskennt. Daraus habe ich jedoch gelernt: Wer nicht fragt, irrt rum. Daher nahm ich mir vor in Zukunft sofort zu fragen und wenn die Antwort auch noch so sehr auf der Hand liegt.
Mein erstes Ziel war Abergavenny oder Y Fenni, wie es so schön auf walisisch heißt. Ich habe mich ja schon früher über meine Faszination über diese Sprache ausgelassen, daher werde ich mich jetzt etwas zurückhalten. Komme jedoch einfach nicht über die wirre, scheinbar völlig wahllose Ansammlung von Konsonanten hinweg. Wenn ich ein Wort in dieser Sprache sehe habe ich keine Ahnung, was es bedeuten könnte. Wer würde zum Beispiel darauf kommen, dass croecawiad "Willkommen" heißt oder gorsaf "Bahnhof" oder llety efrydwyr (schönes Wort) "Jugendherberge". Immer wenn ich Leute auf der Straße in dieser Sprache sprechen gehört habe, hatte ich das Gefühl ich müsste sie eigentlich verstehen. So als ob sie Englisch sprächen, aber nuschelten. Dabei verstehen nicht einmal die Engländer walisisch. Das ist aus der Sicht der Walisen auch gut so, denn diese können (vor allem in ländlichen Regionen wie in den Brecon Beacons) sehr nationalistisch und englandfeindlich sein, wie ich mir sagen lassen habe. Daher ist es für sie ganz praktisch über ihre Nachbarn in deren Gegenwart zu lästern. Als Deutsche bin ich da ja außen vor und habe nichts von derartigen Feindseligkeiten mitgekriegt. In meinem Backpacker hostel dem "Black Sheep" wurde ich demnach auch freundlich von dem etwas merkwürdigen Besitzer mit einer leichten Alkoholfahne begrüßt. Ich hatte Glück und musste mir mein Vierbettzimmer mit niemandem teilen. Sowieso schien ich in dem ganzen Etablissement der einzige Gast zu sein. Bei einem Spaziergang durch Abergavennys "Innenstadt" wurde mir auch klar warum. Das Städtchen ist an sich ja ganz nett, aber es geht nicht allzu viel. Daher bestehen seine Besucher auch hauptsächlich aus Familien mit Kindern oder Rentnern. Beide Zielgruppen sieht man nicht besonders häufig in den eher schlichten Backpackern absteigen. Aber da ich weder zum Shoppen noch zum Clubben nach Abergavenny kam, will ich mich gar nicht beschweren. Die Gegend um Abergavenny ist auf jeden Fall wunderschön, wie ich auf einem kleinen Spaziergang in den Castle meadows feststellen konnte.














Wie auf den Bildern zu erkennen ist, war das Wetter nicht ganz so toll. Um zu vermeiden naßgeregnet zu werden, habe ich mich nicht allzu weit von Abergavenny entfernt. Ist eigentlich schade, denn auf diese Weise ist mir die wahre Schönheit der Landschaft mit ihrer rauen Natur etwas entgangen.














Daher stammen diese Bilder auch nicht aus meiner Kamera, sondern aus dem Internet. Musste an dieser Stelle ein bisschen mogeln, um einen besseren Eindruck zu vermitteln.
Bevor ich zu meiner Unterkunft zurückging, machte ich noch einen Abstecher zu Abergavenny Castle (in Wales scheint wirklich jede Stadt eine eigene Burg zu haben), um mich in dem dort untergebrachten Museum umzusehen. Das war zwar ganz nett, wirkte jedoch etwas chaotisch und unaufgeräumt.

Man kann sich ja über den vielen Regen in England und Großbritannien beschweren soviel man will, aber nur ihm verdankt diese Insel ein so sattes grün und die Gelegenheit Regenbögen zu fotografieren.










Hay-on-Wye


Am nächsten Tag habe ich mich nach Hay-on-Wye aufgemacht. Auf dem Weg dorthin konnte ich noch mehr von der schönen Landschaft bewundern. Allein dafür hätte sich die lange Busreise schon gelohnt. Doch Hay-on-Wye ist sowieso eine Reise wert, denn die Stadt trägt ihren Beinamen "City of books" zurecht. An jeder Ecke findet sich eine große, verwinkelte, charmante Buchhandlung, wo man zumeist gebrauchte aber auch neue Bücher erstehen kann.























Nach einigem Stöbern in den unterschiedlichen Shops und Mittagessen in einem überteuerten Bistro, habe ich Hay Castle (natürlich hat auch diese Stadt eine Burg) und den Honesty bookshop entdeckt. Hierbei handelt es sich schlicht und einfach um eine Ansammlung von Bücherregalen, die im Freien stehen. Jeder kann sich hier bedienen, worauf sich darauf verlassen wird, dass der Käufer das Buch nicht einfach mitgehen lässt, sondern 30 bzw. 50 Pence in den bereitgestellten Briefkasten wirft. Ich find das eine sehr charmante Idee. Leider sind die Bücher, da sie bei Wind und Wetter (das in Großbritannien meistens schlecht ist) draußen sind, in keinem so guten Zustand.















In Hay Castle ist ebenfalls ein Kuriositätenlädchen untergebracht. Hier werden relativ ungeordnet nostalgische Gegenstände und Second Hand Klamotten aus den 30er bis 60er Jahren verkauft. Sehr süß. Man bekommt in diesem Städtchen ohnehin ein wenig das Gefühl die Zeit sei irgendwann stehengeblieben.
Bevor ich mich auf den Rückweg machte, habe ich natürlich noch ein Buch erstanden. Es handelt sich hierbei um eine Ansammlung von deutschen Sprichwörtern und Redensarten und deren englischen Gegenstücke. Endlich habe ich die Gelegenheit auch in der englische Sprache abgedroschene Sprüche zu benutzen. Hier zum Schluss noch ein kleines Quiz. Welches deutsche Sprichwort könnte folgenden entsprechen?

a) With his tail between his legs
b) No bees, no honey; no work, no money
c) Kill two birds with one stone
d) Better to ask the way than go astray (mein neues Lieblingssprichwort)






Lösung
a) Wie ein begossener Pudel
b) Kein Fleiß, kein Preis
c) Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen
d) Mit Fragen kommt man durch die ganze Welt

Samstag, 17. Mai 2008

Aus dem Land der frittierten Marsriegel und Schokoladensuppen

Meine (Ex-)Mitbewohnerin Charo hat es sich in den Kopf gesetzt England nicht zu verlassen ohne Edinburgh besucht zu haben. Da ich selber auch noch nie da war und immer schon mal hin wollte, habe ich beschlossen sie zu begleiten. Also, auf nach Edinburgh!
Charo erwies sich als eine sehr angenehme und unterhaltsame Reisebegleiterin. Vor allem ihre unverblümte, pragmatische Sicht der Dinge war immer wieder erfrischend. So kommentierte sie zum Beispiel die Sicherheitinstruktionen im Flugzeug mit "Ah, shut up. If we have to die we´ll die". Nachdem wir in unserem wenig luxuriösen aber doch ordentlichen und vor allem zentralgelegen Hotel eingecheckt hatten, machten wir uns ersteinmal auf Futtersuche. Das ist in Edingburgh nicht schwierig, vor allem, wenn man einen "Sweet tooth" hat (also auf Süßes steht). Hierbei kennen die Schotten keine Grenzen. Wir sind daher auch in ein Kaffee eingekehrt das "Schokolate Soup" hieß und in dem tatsächlich Schokoladensuppe serviert wurde. Das war allerdings selbst für mich als Schokoladenjunky ein bißchen zuviel des Guten. Wir haben uns daher mit einem Toffee-Bananen (sehr beliebte und sehr leckere Kombination)-Muffin und einem Kaffee begnügt. Nach dieser ersten Zuckerinfusion (es sollten noch viele weitere Folgen) haben wir uns zur Touristeninfo aufgemacht. Charo, die in Spanien ein Studium in Tourismus abgeschlossen hat, war voll in ihrem Element und ehe wir uns versahen hatten wir eine Tour durch Edinburgh´s unterirdischen Teil der Stadt und einen Tagestrip durch die Highlands gebucht.










Danach sind wir ersteinmal ein wenig durch die Stadt spaziert, um uns ein eigenes Bild zu machen. Von einem Hügel aus, der auch einen Namen hat, den ich mir jedoch nicht gemerkt habe, haben wir als ordentliche Touristen ein paar Panorama Fotos geschossen.















Danach nötigten wir noch ein paar Japaner (die sind erfahrungsgemäß die zuverlässigsten und auch ergeizigsten für diese Aufgabe) ein paar alberne Fotos von uns zu schießen.

















Charo entpuppte sich hierbei als Super-Touri und war fast nicht zu stoppen, was gut war, denn bei meiner Fotofaulheit hätte ich ansonsten sicherlich kaum Beweismaterial für diesen Post gehabt. Nachdem sich Charo von dem Hügel losgerissen hatte, spazierten wir die Royal Mile entlang Richtung Edinburgh Castle, wo wir unser Fotoshooting fortsetzten.


Die Royal Mile ist eine der ältesten Straßen in Edinburgh mit vielen alten Gebäuden. Wenn man hier langläuft, kann man sich gut vorstellen wie diese Stadt ein paar Jahrhunderte früher mal ausgesehen hat.















Auf dem Rückweg trafen wir William Wallace. Charo ließ sich natürlich als großer Braveheart-Fan ein Foto mit dem Mel Gibson Double nicht entgehen. Dieser sieht seinem Original gar nicht mal so unähnlich wie ich finde. Auch zeigte er einen ähnlichen Humor auf. So bestand er tatsächlich darauf attraktiver zu sein und einen knackigeren Hintern zu haben, was er umgehend unter Beweis stellte, indem er sein Röckchen lüftete.








Ich ließ mich dagegen mit dem zugegeben etwas langweiligeren aber dafür nicht weniger schottischen Dudelsackspieler ablichten.












Trotz des schönen -wenn auch kalten- Wetters haben wir uns in Edinburgh´s Untergrund begeben und uns einer Tour durch "Mary King´s Close" angeschlossen. Wir wurden dabei von Mary King´s Tochter persönlich durch mittelalterliche Straßen geführt, die sich unterhalb der Royal Mile befinden und irgendwann einfach überbaut wurden. Unsere Führerin hatte einen witzigen schottischen Dialekt, den ich ja irgendwie ganz charmant finde. War schon ein bißchen gruselig so durch die dunklen, unterirdischen Gassen zu laufen, aber ich denke verglichen mit den sonst üblichen Ghostwalks war das doch eher harmlos. Ich fand es auf jeden Fall sehr interessant und nett gemacht.







Am nächsten Tag haben wir dann eine Tour durch das schottische Hochland gemacht. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt die wunderschöne und beeindruckende Gegend zu bewundern, jedoch war die Tour etwas zu lang, so dass wir die meiste Zeit des Tages in einem Reisebus vor uns hingedöst haben während wir mit Dudelsackmusik bedröhnt wurden. Nicht dass ich etwas gegen Dudelsäcke hätte, aber bei der schottischen Version von "My heart will go on" hörte es bei mir doch langsam auf.





















Der berühmte See Loch Ness lag ebenfalls auf unserer Reiseroute. Charo und ich haben als einzige Reiseteilnehmer auf eine Fahrt auf dem See verzichtet und uns stattdessen mit seinem berühmten Bewohner bekannt gemacht.


Huhuuu! Scaaary! Zum Glück ließ sich das Monster von Loch Ness relativ leicht mit ein paar Keksen besänftigen (war wohl gerade ein wenig prämenstruell).



















Nachdem wir unser zugegeben etwas albernes Fotoshooting beendet hatten, wurde unsere Reise fortgesetzt. In Edinburgh angekommen, haben wir noch einen letzten Spaziergang durch diese schöne Stadt unternommen und sind letztendlich in einem Pub eingekehrt. Dort haben wir uns ersteinmal einen original schottischen Whisky gegönnt. Na ja, es waren eigentlich ein paar mehr wie die Fotos beweisen. Allerdings mussten wir die darauffolgenden dann doch mit Cola Punschen. Cheers!

Sonntag, 20. Januar 2008

Regen, Regen und ... Regen

Bislang dachte ich immer Bristol wäre der feuchteste Ort im ganzen Vereinigten Königreich, aber ein Kurztrip nach Dublin hat mich eines besseren belehrt. Mein dreitägiger Aufenthalt war gekennzeichnet durch einen konstanten Nieselregen, der besonders fies ist, da man nicht einmal merkt, dass man nass wird. Wegen des Windes habe ich irgendwann auch aufgegeben einen Schirm aufzuspannen. Auf Grund des schlechten Wetters und in Anbetracht meines schlechten Orientierungssinnes, habe ich mich als erstes für eine allseits beliebte (ich war der einzige Fahrgast) Hop-on-Hop-off-Tour entschieden, um mir einen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Warum klingen die deutschen Sprecher in diesen Bussen eigentlich immer wie Fußballkommentatoren aus den 30er Jahren?
Ich hatte allerdings schon auf dem Weg vom Flughafen zu meiner Unterkunft eine kleine private Hop-on-hop-off-Tour, da ich den falschen Bus erwischt und daher vergeblich auf meine Haltestelle gewartet habe, weshalb ich beinahe wieder zum Flughafen zurückgefahren wäre, wenn mich der Busfahrer nicht netterweise vorzeitig hätte aussteigen lassen. An der Haltestelle Dublin Castle bin ich off-gehopt in Erwartung eine große, beeindruckende mittelalterliche Burganlage besichtigen zu können. Meine Vorfreude wurde jedoch jäh enttäuscht, als ich feststellen musste, dass Dublin Castle nicht viel mit einer Burg oder einem Schloss gemein hat, was malwieder meinen Mangel an Fantasie bewies.














Ich muss sowieso sagen, dass mich diese Stadt insgesamt nur mäßig beeindruckt hat. Aber vielleicht hat der alles in einen grauen Schleier hüllende Nieselregen meine Wahrnehmung beeinflusst.
Allerdings fand ich das Trinity College und vor allem seine wunderschöne Bibliothek sehr gut.



















Das ist mal eine Bibliothek! Zweistöckig, vom Fußboden bis zur Decke mit alten, handgebundenen Büchern vorgestopft. In einer kleinen Ausstellung wurde gezeigt wie ein Buch ("The book of Kells") entstanden ist. Es war wirklich interessant zu sehen wieviel Mühe in so einem Schinken steckt. Die Seiten sind aus Kalbsleder, jeder Buchstabe und jede Illustration ist handgemacht. Erstaunlich! Nach einem kleinen Spaziergang durch Dublins Straßen habe ich mich schließlich in die Nationalgalerie geflüchtet, um für eine Weile dem Regen zu entkommen (und um die dort ausgestellten Kunstwerke zu bewundern natürlich ;-)).

Danach habe ich mich auf den Weg zu Temple Bar gemacht, dem Ausgeh- und früher Hippieviertel von Dublin, um ganz klassisch und touristisch ein Pint Guinness zu trinken. Auf dem Weg bin ich einigen Berühmtheiten begegnet wie zum Beispiel Molly Malone. Der Legende nach eine Fischhändlerin im 17. Jahrhundert, die aufgrund ihrer Armut nachts als Prostituierte arbeiten musste, da der Fischverkauf allein zu ihrem Lebensunterhalt nicht ausreichte. Sie erkrankte dabei an Cholera und verendete tragischerweise auf offener Straße. Ihr zu Ehren wurde dieses Denkmal errichtet und ein irisches Volkslied geschrieben. Das Denkmal ist sicherlich vor allem bei dem ein oder anderem pubertären Touristen ein beliebtes Fotomotiv.




Außerdem gelang es mir noch den in Dublin geborenen Schriftsteller James Joyce vor die Linse zu bekommen. Kenne den ehrlich gesagt nur dem Namen nach, hab noch nie etwas von dem gelesen. Aber ein Foto war er mir dann doch wert. Und wen haben wir denn da? Arthur Guinness, dem Bierbrauer und Begründer der allseits (oder zumindest bei mir) beliebten Biermarke. Der hatte übrigens 21 Kinder!!! Erstaunlich. Die arme Frau. Das ist so ziemlich alles, was bei mir an Information während der Stadtrundfahrt hängen geblieben ist.








Darauf habe ich dann ersteinmal ein schönes Guinness in einem Pub in Temple Bar getrunken. Ich bin nicht in dem berühmten Pub gewesen, der genauso heißt wie das Viertel, weil es mir da zu voll war. Ich musste feststellen, dass ich doch nicht cool genug bin, um alleine in einem Pub zu sitzen ohne das Gefühl zu haben versetzt worden zu sein. War keine so schöne Erfahrung.

Das ist übrigens das Isaac´s. Meine bescheidene Bleibe während meine Dublinaufenthalts, welche für diese Jahreszeit erstaunlich voll war. Ich habe mich bislang immer für einen Backpacker-Typ gehalten, habe aber dann doch mit meiner antisozialen Seite Bekanntschaft gemacht und war ziemlich schnell von den Menschen um mich herum genervt. Tja, wenn man sein Zimmer mit neun anderen Mädels teilt, ist immer jemand dabei, der schnarcht oder um vier Uhr morgens geräuschvoll vom Party machen wiederkommt. Ich habe also von Jugendherbergen fürs erste genug, denk ich, obwohl das Isaac´s für ein Backpacker ganz o.k. war.


Wahrscheinlich gebe ich Dublin und vor allem Irland noch eine Chance und komme im Frühjahr oder Sommer noch einmal wieder, um meinen Eindruck von dieser Stadt zu verbessern.