Dienstag, 11. September 2007

Was lange währt...

... wird endlich gut. Lang lang ist´s her, dass ich etwas zu meinem Blog beigetragen habe. Aber dafür habe ich auch extra viel Zeit und Energie in diesen meinen neuesten Post verwendet.
Simone, Christian und ich haben uns mit Simones Beetle und unserem Navigator Werner auf Expedition durch England und Wales gemacht. Hier ist ein kleiner Reisebericht:







Tag 1: Bristol
Simone und Christian haben bei ihrer Ankunft in England schon einmal Bekanntschaft mit den Clippen von Dover und Dover Castle gemacht. Nach einem Abstecher zu Stone Henge und Bath sind sie dann schließlich bei mir in Bristol angekommen. Ich habe dann gleich am nächsten Tag mein altbewährtes Touriprogramm durchgezogen und die beiden durch die Stadt gejagt. Auch sie sind nicht um einen Abstecher zur Clifton Suspencion Bridge drumherum gekommen, wo wir ersteinmal einige Fotos geknipst haben wie sich das für anständige Touristen gehört.
















Mit emsländischem Gruß: "Mooiin!"


Gestärkt durch eine ausreichende Koffeinzufuhr im Garten meines Lieblingscafés Boston Tea Party, haben wir uns an den Aufstieg des Cabot Towers gemacht, um von dort aus die Aussicht über Bristol zu genießen. In Bristol begegnet einem der Name John Cabot überall. Ihm wurde nicht nur dieser Turm und der dazugehörige Park gewidmet, sondern auch eine Statue am Hafen, außerdem werden zahlreiche Pubs nach ihm benannt. Ich habe mich daher mal schlau gemacht und von einem Arbeitskollegen erfahren, dass er wohl einer der ersten Europäer gewesen ist, der in Amerika gelandet ist. Sein Schiff hat anscheinend in Bristol abgelegt, wo er auch gewohnt hat. Soviel dazu, konnte mir die Klugscheißerei gerade nicht verkneifen, obwohl dieser kleine Ausflug in Bristols Historie zugegeben nicht so interessant war.
Nach einem Abstecher im Georgeon Haus und der Bristol Cathedral haben wir uns ein Pint im Old Duke gegönnt, auf das sich vor allem Christian bereits den ganzen Tag gefreut hatte.
Hinternach machten wir uns dann auf dem Heimweg, um mit Katharina und Eivind in unserem Garten zu grillen. Wobei wir (Simone, Christian und ich) als passionierte Fleischesser das erste Mal die Bekanntschaft mit vegetarischem Schaschlik und zwischen den Zähnen quietschenden Käse (urg!) machten.
















Tag 2: Tintagel und St. Ives (Cornwall)


Am nächsten Tag haben wir uns früh aufgemacht, um Cornwall zu erkunden. In Tintagel, unserem ersten Halt, haben wir die Ruinen von Tintagel Castle besichtigt, in welcher der Legende nach König Arthur gehaust haben soll. Leider waren aufgrund der Hauptsaison und dem verhältnismäßig schönen Wetter viele Touristen dort unterwegs.















Nach dem Aufstieg zu den Ruinen, haben wir ganz in britischer Manier ein ausgedehntes Picknick veranstaltet.














Als Simone und Christian mir auf meine Fragen hin, ob wir jetzt mal losgehen wollten, um die Burg zu besichtigen, versicherten, dass wir uns bereits auf der Burg befänden, musste ich verstellen, dass es mir doch gewaltig an Fantasie mangelt. War aber trotzdem schön.

Als dann schließlich der typische englische Dauernieselregen einsetzte, verließen wir Tintagel und beschlossen auf dem Weg zu unserer Unterkunft in Plymouth (Turnchapel) in St. Ives vorbeizuschauen. Wegen der besseren Aussicht, beschlossen wir an Stelle der Autobahn über die Landstraßen zu fahren, was sich als schwerwiegender Fehler herausstellte. Englische Landstraßen sind dermaßen eng, dass keine Autos aneinander vorbeifahren können. Das hieß also, dass ein Fahrer häufig wieder rückwärts zu einer breiteren Stelle zurückfahren muss, um das entgegenkommende Auto vorbeilassen zu können. Hinzu kam noch, dass die Straßen um Tintagel ziemlich steil waren. Als Autofahrer ist man vielleicht mit dem Anfahren bei einer Steigung vertraut, doch Rückwärtsfahren im Gefälle gehört zumindest in emsländischen Fahrschulen nicht zu den gängigen Lektionen. Auf den Schreck hin gönnten Simone und ich uns ersteinmal in St. Ives einen Kaffee im Regen während Christian mit Souvenir- bzw. Ansichtskartenshoppen beschäftigt war.






"Kafeekaffeekaffee!!!"






















Unglücklicherweise gab es in St. Ives zu viel Regen und zu viele Touristen, so dass wir uns zeitig auf den Rückweg zu unserer Unterkunft in Turnchapel/Plymouth machten, einem netten Pub namens Boringtom Arms.

Allerdings hatten wir einige Schwierigkeiten dieses Pub zu finden, so dass wir dort anrufen und den Wirt nach dem Weg fragen mussten. Nach einem äußerst nervenaufreibenden und langwierigem Telefonat (sinngemäß: Wo sind sie denn jetzt? -In Turnchapel -Das kann nicht sein, denn wenn sie hier wären, müssten sie das Pub sehen, denn es gibt nur eine Straße hier -Wir haben uns scheinbar total verirrt -Man kann sich in Turnchapel nicht verirren...), fanden wir schließlich heraus, dass es scheinbar zwei Turnchapel gibt und wir uns natürlich für das falsche entschieden hatten. In den Boringdon Arms wurden wir dann mit einem schadenfrohem Lächeln der Kellnerin und Barrys (dem Wirt) empfangen. Während Simone und ich lustlos die Reste unseres Picknicks in unserem Zimmer verzehrten, machte Christian unten im Pub Bekanntschaft mit "den Lokales". Ich vermute, dass wir einen etwas verschrobenen Eindruck auf Barry gemacht haben mussten, der uns nur verständnislos ansah als wir ihm von unserem Vorhaben berichteten zu dem vielleicht einanderthalb Stunden entfernten Minack Theatre zu fahren. Für das englische Distanzempfinden muss das so sein, als erkläre man man wolle in einem Tag die gesamte britische Insel durchqueren.


Tag 3: Minack Theatre (Cornwall)


Als wir auf dem Weg nach Minack eine Autopanne wegen eines Surfbretts hatten, das von dem Dach eines vor uns fahrenden Autos auf die Straße fiel, drängte sich uns der Verdacht auf, dass dieser Urlaub unter keinem guten Stern stand. Doch obwohl (oder erstrecht, aus Trotz)
und dieser Vorfall einige Zeit kostete, haben wir unser Ziel nicht aus den Augen verloren und erreichten am späten Nachmittag Minack Theatre.
















Wie man sieht handelt es sich hierbei um eine Art Freilichtbühne, die direkt an bzw. in den Klippen gelegen ist. Hier werden bevorzugt Shakespeare Stücke gespielt. Leider hatten wir keine Karten und auch das Wetter war nicht so schön, so dass wir uns nur das Theater angesehen und uns im dazugehörigen Kaffee einen typischen Cream Tea zu Gemüte geführt haben.


Scones (so was wie Milchbrötchen) mit Whipped Cream (sehr steifer Schlagsahne) und Marmelade. Yummy!







Tag 4: Manchester


Oder Mann-ches-ter, wie die Einheimischen sagen. Wir haben uns für einen Tag in den Norden Englands gewagt, der besser zu sein scheint als sein Ruf, auch wenn der Norden Englands vielleicht ungefähr mit dem Ruhrgebiet in Deutschland zu vergleichen ist (wobei das ja auch besser ist als sein Ruf). Zunächst einmal kamen wir nicht umhin, das Stadion von Manchester United zu besichtigen, wobei ich auf die Stadion Tour verzichtet und mich stattdessen mit einem Kaffee im dazugehörigen Café begnügte. Nach einem kurzen Sightseeing (Manchester ist scheinbar nicht mit allzuvielen Sehenswürdigkeiten ausgestattet), sind wir shoppen gegangen, damit wir Mädels nicht zu kurz kamen. Übrigens habe ich sogar meine Riesenradphobie überwunden, wie man auf dem Photo sehen kann. Allerdings ist an meinem etwas panischen Lächeln zu erkennen, dass ich mich nach wie vor in Riesenrädern nicht allzu wohl fühle. Aber was tut man nicht alles für eine schöne Aussicht.
Auf unserem Rückweg war Werner etwas zickig und hat uns seine Dienste versagt. Das hat ihm einige Sympathiepunkte gekostet, obwohl er sich bis zu dem Zeitpunkt als sehr zuverlässig erwiesen hat, denn wir mussten nun ohne ihn den Weg zurück nach Bristol finden. Zur Strafe wurde er über Nacht ins Handschuhfach verbannt.


Tag 5: Cheddar und Wells

















Nachdem wir in den letzten Tagen sowohl Werner als auch Simones Beetle etwas überbeansprucht hatten, erkundeten wir das Bristoler Umfeld. Unser erstes Ziel war Cheddar, wo der berühmte Cheddar Käse herkommt (wie am Namen unschwer zu erkennen ist). Leider wurde dieses hübsche Städtchen völlig durch den Tourismus verhunzt und die Attraktionen wie die Tropfsteinhöhlen etc. sind völlig überteuert. Nichtsdestotrotz ist Cheddar sehr schön zwischen Felsen gelegen, so dass man sogar der ein oder anderen freilaufenden Ziege begegnet. Nach einem kleinen Imbiss haben wir ein bisschen Käseshopping betrieben, wobei vor allem Christian eine Leidenschaft für Cheddarkäse entdeckte und sich einen ordentlich Vorrat zulegte. Simone und ich bevorzugten da
eher ein schönes Eis. Hmmm!





















Von Cheddar fuhren wir nach Wells, um die Wells Cathedral zu besichtigen. In Wells ist allerdings der Busbahnhof alleine schon die Reise wert, da die Hinweisschilder dort dermaßen schlecht in Deutsch übersetzt wurden, dass es sich hierbei nur um eine Touristenattraktion handeln kann. Hier ein paar Kostproben:


































Diese Schilder stiften eher Verwirrung als das sie für Klarheit sorgen. Was ist zum Beispiel ein Treiber? Der Übersetzer hat nicht nur eine schlechte Grammatik, er muss auch in jedem Vokabeltest versagt haben. Den Ausdruck "Exit Hintern" finde ich allerdings sehr kreativ. Ich bin dafür ihn in die deutsche Sprache aufzunehmen, was immer es auch heißen soll. Ich bin zwar nicht der italienischen Sprache mächtig, aber ich wage zu bezweifeln, dass "autisti" die korrekte Übersetzung für "driver" ist.


Tag 6: The Gower (Wales)


Schließlich haben wir auch noch den Walisischen Nachbarn einen Besuch abgestattet und sind zu der Halbinsel The Gower gefahren, wo wir zunächst in Swansee halt machten, um Mittag zu essen, um dann zu Three Cliffs Bay zu fahren. Es handelt sich hierbei um eine einigermaßen versteckte Bucht, die relativ vom Tourismus verschont geblieben ist. Dort haben wir uns ein wenig am Strand von unserem Pubbesuch am Vorabend erholt.












Bedauerlicherweise holte uns malwieder der nervige englische Nieselregen ein, so dass wir den Strand verlassen mussten, um unsere Fahrt nach Rhossili fortzusetzen. Dieser Ort ist genauso idyllisch wie sein Name. Er hat einen enormen Sandstrand und wunderschöne Clippen. Durch die raue See und dem Wind kam bereits eine herbstliche Atmophäre auf.