Donnerstag, 12. April 2007

Mit einer Leiche in Cornwall

Und schon wieder einen Punkt auf der To-do-Liste abgeharkt:

Einen Kurztrip nach Cornwall machen.

Ich habe mich mehr oder weniger kurzentschlossen an meinem verlängerten Osterwochenende auf dem Weg nach St. Ives in Cornwall gemacht, um ein bißchen "abzuschalten". Nur ich, das Meer und Tausende von Osterurlaubern. Nach einer ziemlich langen (viereinhalb Stunden), aber schönen Zugfahrt, kam ich im sonnigen und für diese Jahreszeit relativ warmen Cornwall an. Der immerhin 15kg schwere Backpackerrucksack, den ich mir von meiner Arbeitskollegin geliehen hatte, war dabei mein ständiger Begleiter und sorgte je nachdem entweder für belustigte oder mitleidige Blicke. Bin mit dem riesigen Ungetüm ständig überall hängen geblieben oder habe irgendetwas umgeschmissen, da ich diese Dinger einfach nicht gewohnt bin. Nachdem ein Gast mein tolpatschiges Auftreten mit "It´s because of the dead body your carrying with you" kommentierte, habe ich den Rucksack im Stillen immer "die Leiche" genannt. Dem Gewicht und der Größe nach war dieser Vergleich gar nicht mal so unpassend.


Ich habe mich, bevor ich in dem Backpacker Hostel (das ist sowas wie ne Jugendherberge, nur dass man kein Mitglied sein muss) einchecken konnte, ein bißchen am Strand herumgetrieben und mich mit der Promenade vertraut gemacht. Hier ein paar Bilder zum Neidischmachen.


Da sieht man mal was für ein Glück ich mit dem Wetter hatte :-). Die Urlaubstouristenmassen haben sich auch mehr in den Einkaufsstraßen geballt und an den zahlreichen Sandstränden haben die sich ganz gut verteilt. Da ich montags erst angekommen bin, war es auch nicht mehr ganz so voll. Daher hatte ich auch in dem Backpacker Hostel so ziemlich meine Ruhe und musste mir nur mit zwei weiteren Damen (wahrscheinlich so mitte 30) ein Sechsbettzimmer teilen. Außer uns waren nur noch eine Franzosenclique, eine indische Kleinfamilie, eine Gruppe Surfer (vermutlich) und ein Ehepaar aus Manchester da, mit dem ich einen kleinen Smalltalk in der Küche führte. Die wollten am nächsten Tag einen Surfkurs machen, was mich dazu veranlasste einen weiteren Punkt auf meiner To-do-Liste hinzu zufügen.




St. Ives wurde mir aber schnell etwas zu langweilig, so dass ich am nächsten Tag den Bus nach Zennor nahm, wo ich ein Zimmer in dem Backpacker "The old chapel" gebucht hatte. Es handelt sich dabei, um eine umgebaute Kapelle (oder Kirche). Das war zwar schöner und gepflegter, aber auch teurer und nicht so cool wie das Backpacker hostel in St. Ives, weil sich dort weniger Surfer, sondern mehr ältere Menschen herumtreiben. Allerdings bot sich in diesem Ort, der eigentlich im Wesentlichen nur aus dem Hostel und einem Pub bestand, eine gute Gelegenheit, um ein weiteres Vorhaben zu verwirklichen:

Auf dem South West Coast Path zu wandern.
Dieser Pfad, der an der englischen Südküste entlangführt, wurde (laut Reiseführer) ursprünglich von der Küstenwache angelegt, um Schmuggler aufzuspüren, daher führt er auch hoch an den Stränden entlang, so dass man gute Ausblicke auf das Meer hat.































Die Landschaft ist sooo schön mit ihren kleinen Bächen, den Sandstränden, steilen Klippen und den Ruinen. Fühlte mich ein bißchen wie bei den "Fünf Freunden". Ich war jedoch froh dem Rat der Frau im Reisebüro gefolgt zu sein und vernünftige Schuhe anzuziehen, da man wahrscheinlich über die Felsbrocken und Schlammpfützen mit Flipflops nicht weit kommen würde. Was sie und mein Reiseführer mir jedoch verschwiegen haben ist, dass man zumindest ein Minimum an Planung braucht, bevor man sich auf den Weg macht. Das heißt man sollte sich zumindest im Vornherein überlegen bis wohin man wandern möchte und wie man am besten zu seinem Ziel gelangt. Mein Plan war es ein bißchen auf dem Pfad zu laufen, um ihn dann, wenn mir danach ist, bei der nächsten Ortschaft zu verlassen, wo ich dann den Bus zurück nehmen würde. Klingt plausibel auf den ersten Blick und immerhin war ich so organisiert, dass ich einen Busfahrplan dabei hatte. Was mir jedoch nicht klar war, auf diesem Weg gibt es außer Natur nichts, aber auch wirklich gar nichts, was irgendwie auf Zivilisation hinweist. Abgesehen von ein paar Kühen und Schafen. Daher weiß man ohne eine detaillierte Karte auch nicht, wo man den Pfad verlassen und die nächste Ortschaft bzw. Bushaltestelle finden kann. Nach einer Weile wurde meine anfängliche Begeisterung von einem leichten Anflug von Panik getrübt, da ich nicht wusste wo auf dem Coast Path ich mich befand und wie ich zu meiner Unterkunft zurückkommen konnte, denn eins stand auf jeden Fall fest, ich würde auf keinen Fall den Weg zurücklaufen. Das kommt für mich prinzipiell niemals in Frage. Meine Panik verstärkte sich noch als mir auffiel, dass ich schon verdächtig lange niemandem mehr begegnet war. Ich war dann sehr froh und erleichtert als ich zwei älteren, aber sehr fitten und vor allem gut ausgerüsteten Damen begegnete, die mir nähere Auskünfte geben konnten. Als ich mich schließlich für ein Ziel entschieden hatte, hetzte ich los, um noch den letzten Bus zu erwischen. Laut íhrer Auskunft hätte ich zwei Stunden gebraucht, doch ich war dermaßen beunruhigt den Bus zu verpassen, dass ich die Strecke im Eilschritt in der Hälfte der Zeit zurücklegte. Ich hätte mir die Hektik jedoch sparen können, da ich letztendlich meinen Bus sowieso um drei Minuten verpasste. Ich wartete dann noch eine weitere Stunde auf einen Bus, der jedoch niemals kommen sollte. Also blieb mir schließlich nichts anderes übrig als die ganze Strecke, für die ich auf dem Hinweg gut vier Stunden gebraucht hatte, wieder zurückzulaufen. Entlang der Hauptstraße hätte es sicherlich mindestens zwei Stunden gedauert, wenn ich nicht einem Tramper mit Hund begegnet wäre, der auf halber Strecke sein Auto geparkt hatte und mich somit in Zennor absetzen konnte. Ich weißt, dass man nicht zu Fremden ins Auto steigt, aber was kann an einem Mann mit einem Hund schon so gefährlich sein, wenn es sich dabei nicht gerade um einen Pitt Bull handelt. Abgesehen davon war es weniger gefährlich als in der Dunkelheit alleine auf einer englischen Landstraße herumzuirren. Nachdem ich mir ein kühles Lager gegönnt hatte, bin ich zu meinem Hostel zurückgekehrt und müde mit pulsierenden Füßen ins Bett gefallen. Am nächsten Morgen wurde ich dann den Konsequenzen meines kleinen Abendteuers gewahr. Ich hatte einen Sonnenbrand und noch viel schlimmer, riesige blasen an den Füßen von der Größe eines halben Golfballes. Zum Beweis ist dieses zugegeben ziemlich ecklige Foto entstanden. Aber geteiltes Leid ist halbes Leid.
Sehr fies! Und vor allem sehr schmerzhaft. Konnte nicht mehr auf meinen Hacken laufen und war gezwungen den Rest des Tages auf meinen Zehenspitzen zu gehen. Meine beiden Zimmergenossinnen, beide Krankenschwestern aus Kalifornien, waren dermaßen von diesem Anblick geschockt, dass sie mich mit zu ihrem Wohnmobil nahmen, wo sie mich so gut es ging medizinisch versorgten. Dort lernte ich auch ihre zwei anderen Mitreisenden kennen. Es handelte sich dabei offensichtlich um eine Truppe von Althippies, die allerdings sehr lieb waren und mich mit zurück nach St. Ives nahmen, wo sie mich direkt vor der Eisenbahnstation absetzten und mir ein paar Pflaster, Desinfektionscreme und gute Ratschläge mit auf dem Weg gaben. Auf die Frage hin, ob dieser Urlaub wirklich erholsam für mich gewesen sei, hätte ich am liebsten geantwortet: "Hm, let´s see. My skin is burned, my feet are covered with blisters and my back hurts. I would say... I had a lovely time."





























2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hey Heiki!!!

Ich bin neidisch!!!! Da will ich auch hin!!! ;o)
Das Schaffoto hast Du doch bestimmt extra für mich gemacht, oder? ;o) Mich hat der Pfad auch an die "Fünf Freunde" erinnert. Bei ihren "Abenteuern" wandern die auch immer über Schmugglerpfade. Glaub mir, ich bin da Fachfrau!
Worauf ich aber nicht neidisch bin und was auch total eklig ist, ist das Bild von Deinen Blasen. Echt widerlich!!! Ich habe laut "AUA" geschrien und habe sehr viel Mitleid mit Dir. Hoffe der Schmerz lässt langsam nach. Aber Du weißt ja: Indianer kennen keinen Schmerz! Und eine Heiki doch schon gar nicht!!! ;o)
Schon mal ein schönes We und mach's gut! Bis bald!!!
*Simone* ;o)

Anonym hat gesagt…

Ach ja, fast vergessen: Nicht in die Autos fremder Männer steigen. Dann mach ich mir doch Sorgen um Dich Heike! Das macht man doch nicht. Außer der Mann sieht aus, wie Freddie, David, Robbie oder Mc Dreamy!!! ;o) Und wenn einer von denen am Steuer sitzt, dann ist der auf dem Weg zu mir. Aber Du darfst natürlich auch gerne mitfahren!!! ;o)
Tschüssing und bis baldrian!!! ;o)
*Simone*